Wie Weihnachten mit der Familie

Am vergangenen Wochenende hatte ich spielfrei, konnte aber natürlich dem Sport nicht fernbleiben. In Elxleben, nah meiner Heimatstadt Jena, stand die Qualifikation für die Euroleague 1 an. Vergleichbar ist die Euroleague mit der UEFA Champions League, die besten Teams Europas treffen hier aufeinander. Dieses Event konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Und während ich so in der Halle saß, drängte sich mir die Frage auf, was eigentlich das tolle an solchen Turnieren ist.

Für mich sind Turniere immer ein bisschen wie Weihnachten. Für einen kurzen Zeitraum im Jahr kommen Schiedsrichter und Kampfrichter aus ganz Deutschland und der Welt an einem Ort zusammen. Darunter sind Kollegen, die man maximal einmal im Jahr sieht und es trotzdem so ist, als hätte man erst gestern zusammen gesessen. Dann sind Turniere natürlich immer besonders schön. Andererseits sind auch immer Menschen dabei, die man immer in der Halle trifft und die das Ganze so heimisch anmuten lassen. Dieser Mix aus Bekannten, guten Freunden und neuen Gesichtern macht Turniere so reizvoll. Manchmal habe ich sogar den Eindruck, dass Turniere losgelöst von meinem restlichen Leben sind. Ich verliere hier jedes Gefühl für Zeit, gerade wenn sich das Turnier über einen Zeitraum von einer Woche und mehr erstreckt.

Im Vordergrund steht natürlich der sportliche Aspekt: die Spiele, Siege und Niederlagen. Aber all das wäre nur halb so toll, wenn der Spaß zu kurz kommen würde. Eines meiner lustigsten Erlebnisse war wohl der World Super Cup vor einigen Jahren in Frankfurt, als wir am letzten Abend beim Essen saßen. Es gab ein Dessertbuffet, bei dem die verschiedensten Köstlichkeiten in kleine Gläser gefüllt waren. Ich bekomme ja grundsätzlich von Nachtisch nicht genug, also sammelten sich in kürzester Zeit eine stolze Menge an leeren Gefäßen vor mir. Und was kommt einem da natürlich in den Sinn? Richtig: Türmchen bauen. Was klein anfing, endete in einem immer größer werdenden Gebilde, welches irgendwann natürlich nicht mehr sehr stabil war. Es kam, wie es kommen musste: der ganze Turm stürzte mit einem lauten Krachen ein und für diesen einen Moment hatten wir die ungeteilte Aufmerksamkeit aller noch anwesenden Spieler, Trainer und Schiedsrichter. Zum Glück ging hierbei kein Glas zu Bruch. Lustig war es allemal.

Egal ob als Spieler, Schiedsrichter oder Kampfrichter, ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind auf die Zeit nach der regulären Saison, wenn die Turniere anstehen. Ich freue mich immer wieder auf die tollen Leute und inzwischen ist es tatsächlich ein ähnliches Gefühl, wie an Weihnachten seine Familie zu treffen. Nur ist in diesem Fall die Familie etwas größer, aus deutlich mehr Ländern und die krampfhafte Geschenke-Suche fällt weg. Und natürlich kommt es, wie in jeder guten Familie an Weihnachten, zu Kommunikationsproblemen, allerdings werden diese auf Turnieren mit Händen, Füßen und dem ein oder anderen Glas Wein am letzten Abend gelöst und nicht mit knallenden Türen, peinlichem Schweigen und Zoff unterm Tannenbaum.

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